Lisoletta V war zur Zeit ihres Baus, zu Beginn der
60er Jahre, ein Affront gegenüber der damaligen Lehrmeinung zu Yachtbau
und -konstruktion. Unzufrieden mit den Segelleistungen seines damaligen
Langkielers, entwarf der Unternehmer Fritz Marggraff selbst eine Yacht, die
sowohl als Regattaschiff unter der damaligen Kreuzerrennformel als auch als
schnelles Fahrtenschiff ausgelegt war.
Leichtbau statt
Schwerdeplacement, getrennte Kiel-Ruder-Anordnung statt Langkiel mit
angehängtem Ruderblatt, gestreckte Verdrängungsverteilung statt
klassisch feiner Schiffsenden, und vor allem die moderne Holz-Leimbauweise, die
unter dem Namen Lisoletta-Bauweise in die Bootsbauliteratur einging,
kennzeichnen die konzeptionelle Revolution. Lisoletta war eine der ersten
modernen Yachten, obwohl sie als erfolgreiche Regattateilnehmerin 1964- 1967
durchaus als klassisch bezeichnet werden darf.
Der Bau erfolgte in Alpirsbach im Schwarzwald in der
Betriebsschreinerei" von Marggraffs Tuchfabrik, die bald zur
höchstgelegenen Yachtwerft Deutschlands mutierte. Die gewichtssparende
Lisolettabauweise basiert auf einer tragenden Struktur aus Schotten, Stringern
und Einrichtungskomponenten, die anschließend doppeldiagonal beplankt
wurde.
1963 war Stapellauf und Lisoletta erzielt in der
folgenden Saison erste Regattaerfolge auf dem Bodensee.
In der folgenden Saison will
es der Konstrukteur, Erbauer und Segler wissen: kann Lisoletta es mit der Elite
der damaligen Hochseeflotte aufnehmen? Da von Anfang an auf die
Möglichkeit des Bahntransports ausgelegt, unternimmt Lisoletta die Reise
vom Bodensee an die See per Eisenbahn.
Niemand im Establishment der
deutschen Yachtszene nimmt sie bei Ankunft ernst ein
selbstgestrickter Sperrholz-Klebekreuzer" eben , der frecherweise
mit einem Rennwert von 9,0 KR auch noch berechtigt ist, als kleinstes Schiff
der großen Klasse 1 mitzusegeln. Wettbewerber von Rang und klangvolle
Namen wie Germania VI, Rubin, Diana, Ortac und HamburgVI kennzeichnen die
Epoche.
Lisoletta verblüfft
während ihrer Regattaphase durch reichlich Erfolge: Sieg der Gesamtwertung
in der großen Klasse auf der Kieler Woche 1964. Sieg im Rennen Rund
Skagen 1965 in Klasse1.Eigenbau gewinnt Skagen-Rund" titelt die FAZ.
Zu den weiteren großen Erfolgen zählt ein dritter Platz im Skaw-Race
des gleichen Jahres und zum Abschluss der vierjährigen Regattazeit
nochmals der Sieg bei der Kieler Woche in der Doppelwettfahrt
Kiel-Eckernförde- Kiel 1967. Bei starkem Wind und Seegang, bei Leichtwind
mit Dünung und bei kräftigen achterlichen Winden, wenn sie ins Surfen
kam, war Lisoletta V, der Underdog aus dem Schwarzwald, nicht zu
schlagen.
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1968 wird Lisoletta V aus gesundheitlichen Gründen des Eigners verkauft und besegelt unter verschiedenen Eignern Ostsee und Mittelmeer. 1988 schließlich kauft eine Gruppe Karlsruher Studenten die alte Dame, wohl wissend, dass es wohl einiges zu renovieren gibt.
Technische Daten | Impressionen | Bau- und Regattaphase | Renovierung 1998/99 |